Der Habicht (3277m) an einem Tag
Muriel | Jul 24, 2010 | Kommentare 1
Wanderung auf den Habicht (3277 m) in den Stubaier Alpen
Um quälende 10 vor 5 klingelt der Wecker. Am liebsten würde ich………
Nee, die begeisterten Erzählungen der Anderen und die Bilder und Fotos im Internet haben mich überzeugt. Ich muss auf den Habicht rauf!
Anfahrt
Richtung Brenner bis Matrei und dann noch weiter bis ins kleine Kaff Gschnitz in Österreich. Da überragt er mit seinen 3277m alle umliegenden Berge. Allerdings bedeutet das für uns, dass wir von Gschnitz (1280m) aus eine ziemlich sportliche Tour mit 2000m Höhenunterschied vor uns haben.
Gewisse Zweifel habe ich schon, ob das wohl das Richtige für mich ist. Immerhin bin ich mal wieder das einzige Mädchen im Trupp und habe doch schon gelegentlich feststellen müssen, dass Männer einfach mehr Kondition haben. Außerdem wird die Wanderung auf fast allen Webseiten als Zweitagestour vorgeschlagen.
Was solls, früher abbrechen kann man dann immer noch……..
Knapp über 2 Stunden brauchen wir von München nach Gschnitz und um halb 9 ist es endlich so weit. Wir laufen los.
Vom gebührenpflichtigen Parkplatz aus ist die Innsbrucker Hütte (2369m) gut ausgeschildert. Dass man hinter einem großen Holzstapel vom Forstweg scharf rechts abbiegen muss, kann man trotzdem leicht übersehen. Ziemlich lang geht es in schnellen Serpentinen steil den Berg hoch. Dabei sieht man förmlich die Autos auf dem Parkplatz auf Spielzeugautogröße schrumpfen.
Gas geben
Ich darf voraus und Tempo angeben, was mich freut, weil ich dadurch motiviert bin, zügig zu gehen. Während es im Tal bald drückend heiß wird, legen wir also schnell genug an Höhenmetern zu und laufen so vor der größten Hitze davon. Nach etwa 2/3 der Strecke bis zur Hütte machen wir die erste richtige Pause, will heißen kurz mal die Aussicht genießen, nicht nur schnell ein paar Schluck trinken. Das lohnt sich, da wir inzwischen auf ca. 2000m sind und man schon von hier aus das beeindruckende Panorama genießen kann. Von unserem Rastplatz kann man noch den wahren Gipfel vom Habicht sehen. Weiter oben wird er fast den ganzen restlichen Weg von seinem Vorgipfel verdeckt.
Trotz der Pause unterbieten wir die angegebenen 3 Stunden Laufzeit bis zur Innsbrucker Hütte um 20 Minuten. Nach einer ausgiebigen Brotzeit und kurzem „in der Sonne Dösen“ geht es weiter. Der Pfad gabelt sich hinter der Hütte, ist aber immer gut ausgeschildert. Auch für die verbleibenden 900 Höhenmeter werden 3 Stunden Gehzeit veranschlagt.
Schrofferes Gelände
Hier wird das Gelände felsiger und der Weg ist anstrengender zu begehen. Weiter oben warten auch zwei gar nicht so kurze Klettersteigstellen auf uns, die sich allerdings nur im I. oder II. Schwierigkeitsgrad befinden. Immer wieder entdecken wir Gedenktafeln am Weg, die an all die abgestürzten Wanderer vor uns erinnern. Eine trägt die Aufschrift „Viele Wege führen zu Gott, einer durch die Berge.“, weiter oben lautet eine andere „Viele Wege gehen durch die Berge, einer führt zu Gott.“
Der Pfad ist jetzt schwierig zu begehen, weil es sich fast nur noch um ein steiles Geröllfeld handelt. Hier ist es ratsam, sich genau nach den Wegmarkierungen zu richten, weil ringsherum viel loses Gestein liegt. Am ersten kleinen Grat angekommen kann man plötzlich in eine steile Schlucht hinunter blicken und wir entdecken sogar Schnee. Mit Müsli- und Obstriegeln gestärkt, kämpfen wir uns weiter hoch und wählen wegen der schöneren Aussicht auch den Weg über den zweiten Grat, statt über ein größeres Schneefeld abzukürzen. Es handelt sich hierbei um den Vorgipfel vom Habicht (ca. 3000m) und wir erblicken endlich wieder unser Ziel.
Endspurt
Also bleibt immer noch der Endspurt zu bewältigen, wobei es hier noch mal ziemlich steil hoch geht. Aber an Aufgeben ist jetzt natürlich nicht mehr zu denken!
Überraschenderweise unterbieten wir die Laufzeit – oder besser Kletterzeit – auf den Gipfel wieder um eine knappe halbe Stunde und merken erst oben, wie müde wir eigentlich sind.
Die Stunde Rast, die wir uns am Gipfelkreuz gönnen ist bitter nötig, um den Abstieg sicher meistern zu können.
Meine Knie beschweren sich ob der starken Belastung und am nächsten Tag quält mich der schlimmste Beinmuskelkater seit Langem!
Aber dennoch muss ich sagen, dass sich die Anstrengung absolut gelohnt hat. Da der Habicht alle umliegenden Gipfel um mehr als 100 Meter überragt, bekommt man eine Atemberaubende Aussicht geboten.
Fazit
Man kann den Habicht als sportlich fitter Mensch also durchaus auch an einem Tag besteigen, sollte aber wirklich viel und sinnvollen Proviant mitnehmen, um dem Körper zu ermöglichen, seine Ressourcen wieder aufzufüllen! Warme Kleidung ist auf dem Gipfel auch zu empfehlen, da man in dieser Höhe ungeschützt dem kalten Wind ausgesetzt ist.
Wir beispielsweise hatten oben sogar Mützen auf, während im Tal die Temperatur bei deutlich über 30° lag…….
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