Der Weg in den 8. Grad – es geht weiter
Christian Forjahn | Jan 27, 2010 | Kommentare 3
Der Weg in den 8. Grad ist nicht einfach, aber auch nicht unmöglich. Was hat sich geändert? Was hilft mir jetzt weiter voranzukommen? Wie wird man seine Angst los?
Bis vor kurzem waren die schwersten Routen die ich geklettert bin noch 6+ oder 7-. Gestern bin ich meine erste 8- im Vorstieg zumindest bis oben gekommen. Neben diesem ersten Erfolg eine 8- bis zum Ende geklettert zu sein, gibt es auch noch weitere kleine Erfolge. Eine 7 ist im zweiten Versuch gefallen, eine 7/7+ vor kurzem ebenfalls. In den Schlüsselstellen habe ich wesentlich weniger Angst und ich klettere einfach drüber.
Was ist anders? Was hat mich limitiert?
Motivation - Noch letzten Winter war es oftmals so, dass ich beim Training in der Halle nicht richtig motiviert war und ich deshalb nur solche Routen geklettert bin, die ich ohnehin ohne Probleme hoch kam. Ich weiss nicht genau woran es lag, aber ich habe mich nicht richtig gefordert. Vielleicht war es Faulheit, oder einfach nur eine 0-Bock Phase.
Angst – Mit der Angst hatte ich eigentlich nie grosse Probleme, aber dennoch immer ein bisschen Schiss vorm Stürzen. So geht es sicher auch vielen von euch. Also was soll man dagegen tun? Es ist eigentlich ziemlich einfach. Die Antwort auf die Frage wie man die Angst vorm Stürzen loswird lautet einfach: mehr stürzen. Ich habe hier ja schon die Clip and Drop Methode vorgestellt, die dabei helfen soll die Angst loszuwerden. Der grosse Vorteil dieser Methode gegenüber dem konventionellen Sturztraining ist das langsame herantasten ans Sturzgefüh. Der Kletterer bestimmt jederzeit selbst seine Komfortzone. Man sollte die Methode ganz langsam steigern und immer darauf achten, dass man sich erst in einer Sturzhöhe wohlfühlt, bevor man es weiter ausbaut. So gewöhnt man sich langsam immer mehr an das Stürzen und die Angst verschwindet nach und nach.
Selbstbewusstsein – Wenn man eine 7- klettern kann und sich in solchen Routen einigermassen sicher fühlt, dann kann man auch eine 7+ oder 8- probieren. Man muss sich das nur zutrauen. So viel schwerer sind die Touren gar nicht, aber wenn man immer sagt “das schaffe ich nicht”, dann schafft man es auch nicht. Also Kopf nach oben, einen Sturz in Kauf nehmen und zeigt es der Wand .;)
Bouldern – Das Klettern ohne Seil in Absprunghöhe hat mich ohne Zweifel extrem weitergebracht. Man erlernt hier schnell Bewegungsmuster, die man dann beim Klettern mit Seil wieder abrufen kann. Dadurch, dass man eine Problemstelle beliebig oft wiederholen kann bis man eine Lösung gefunden hat lernt man lauter neue Bewegungsmuster dazu und steigert so sein Repertoire. Nebenbei trainiert man auch gleich noch die Maximalkraft mit. So hat man an den schwierigsten Stellen einer Route noch Reserven und kann auch diese meistern.
Erfahrung – Durch das erlernen neuer Bewegungsmuster steigt die Erfahrung. Damit man in der richtigen Situation die richtige Technik auswählt, muss man eine solche Situation zunächst schon mal erlebt haben, wenn man nicht intuitiv das Richtige macht. Wenn man dann heruasgefunden hat, z.B. durchs Bouldern, wie man mit dieser Situation umzugehen hat und welche Methode optimal und auch kraftschonend ist, dann kann man diese auch in einer schwierigen Situation wieder abrufen und einsetzen. Erfahrung lässt sich leider durch nichts ersetzen.
Schwerer Klettern – Einer der wichtigsten Punkte um voranzukommen ist einfach “schwerer Klettern”. Nur dann wendet man die Techniken an, die man für einen gewissen Grad benötigt und kann sich in diesem Grad und darüber verbessern. Ich klettere jetzt zum warm werden 2-3 Touren im 6. Grad und gehe dann gleich zum 7. über. Meine Projekte im Grad 8- streue ich dann dazwischen. Einfach schwerer zu klettern hat mich mitunter am schnellsten vorangebracht.
Kein Toprope mehr (Danke Bernhard) – Wenn du dein Niveau im Vorstieg verbessern willst, dann hör auf Toprope zu klettern. Auch eine Route am Limit kann man vorsteigen. Ein paar Stürze dabei sind auch gar nicht so schlimm. Wie Bernhard im Kommentar unten schreibt, macht stürzen auch Spass. Anstatt Toprope zu klettern sollte man eher ein bisschen Bouldern oderzumindest Ausbouldern.
Fazit - Über die hier aufgeführten Punkte geht es bei mir gerade schnell voran und ich steigere mich ganz gut. Es sind sicher nicht alle Punkte, die man braucht um besser zu werden, aber bei mir funktioniert es ganz gut.
Was denkt ihr darüber? Wie kommt ihr voran? Hinterlasst doch einfach einen Kommentar.
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Kommentare (3)
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Hallo Chris,
mir geht es ziemlich ähnlich wie Dir. Meine Leistungsgrenze (für einen Rotpunkt) ist derzeit je nach Route (ob sie mir taugt oder nicht) irgendwo im 7er Bereich.
Als wir vor einem Monat wieder mal raus sind, haben wir eine schöne 7+/8- entdeckt, die mein Kletterpartner gerne machen wollte. Ich habs dann einfach auhc mal probiert und mich raufgewurschtelt (im Vorstieg). Schwupps, schon hat man sich ein neues Projekt eingehandelt
Schwerer Klettern macht einfach auch Spass, man kann neue Technik lernen/ausprobieren und es ist super fürs Kletterselbstbewußtsein.
Was mir noch in Deinem Artikel fejlt wäre: nicht Topropen. Einzelne Stellen ausbouldern: ja. Komplette Routen im Toprope: bringts irgendwie nicht.
Und was man beim Stürzen nicht vergessen darf: Stürzen macht Spass (zumindest wenn man im überhängenden Gelände in ausreichender Höhe unterwegs ist
)
Hi Bernhard.
Da habe ich tatsächlich ein wichtiges Thema vergessen. Toprope bringt wirklich nicht viel. Ich mach es eigentlich überhaupt nicht mehr.
Momentan bin ich wegen 3 Wochen Zwangspause (Überlastung der Sehnen) ein bisschen im Niveau abgesunken, aber das hol ich hoffentlich schnell wieder auf.
Wo warst du denn am Fels die neue Route hochwurschteln?
Grüsse
Chris
Das war wohl missverständlich: Zwar gottseidank wieder draussen aber leider noch Plastik.
Bei uns gibts zum Glück ne Aussenanlage