Orpierre – Klettern in der Provence
Christian Forjahn | Jun 21, 2010 | Kommentare 0
Das kleine Dorf Orpierre in der Nähe von Sisteron hat alles zu bieten, was sich das Klettererherz wünscht. Jede Menge Routen, kurze oder auch etwas längere Zustiege, günstige Übernachtungsmöglichkeiten (vor allem für kleinere Gruppen), Ruhe, idylische Landschaften, …
Anreise
Über die Schweiz fährt man vorbei an Lausanne und Genf. Nachdem man die französische Grenze passiert hat geht es weiter vorbei an Annecy, Chambèry und Grenoble. In einem kleinen Örtchen namens Eyguians geht es dann ab Richtung Orpierre. Dort angekommen wirkt sofort der Charme des kleinen Dörfchens auf dich ein. Alte kleine Häusschen und kleine Gassen. Der Duft nach Kräutern und das Geklimper von Kletterausrüstung.
Übernachtung
Neben einem Campingplatz gibt es einige sogenannte Gites, die ihre Ferienwohnungen zu günstigen Preisen anbieten. Als Selbstversorger bekommt man die Übernachtungen in den Gites schon unter 10€. Wenn man als Gruppe anreist, kann man eine ganze Gite auch alleine mieten. Unsere von Gites les Drailles hatten wir zu sechst gemietet. In der vorhandenen Küche konnte man sich die Mahlzeiten problemlos selbst zubereiten. Die Zutaten haben wir uns in der umliegenden Region auf den Märkten und in den Supermärkten besorgt. Frische Kräuter gab es zu Genüge am Wegesrand beim Abstieg zu pflücken.
Gebiete
Die Gebiete sind alle zu Fuss vom Ort aus zu erreichen. Die Zustiegszeit bewegt sich zwischen 10 und 45 Minuten. Wer nicht so lange zusteigen will, kann auch mit dem Auto näher an die Felsen heranfahren.
Chateau ist das nächste Klettergebiet. Zu Fuss ist man in ca. 10 Minuten an der Wand. Dort erwarten dich Routen in den Schwierigkeiten 4a bis 8b+. Am linken Rand des Chateau´s sind öfters Kletterkurse, die die leichtesten Routen zum Teil komplett belegen. Neben den Routen im französischen vierten Grad gibt es auch jede Menge 5-er und 6-er Routen in geneigtem bis senkrechten Gelände.
Die beiden mittleren Wandteile sind eher überhängend. Es gibt ein paar wenige Routen im unteren 6-ten Grad. Meist spielt es sich aber zwischen 6c und 7c ab. Ein paar schwierigere Routen bis 8c gibt es auch noch.
Im Rechten Wandteil wird es dann wieder einfacher. In der senkrechten Kletterei gibt es Touren zwischen 4a und 6a+.
Quiquillon ist das Gebiet, dass man aus dem Dorf schon gut an dem 150 Meter hohen Pfeiler erkennen kann. Hier gibt es viele Mehrseillängentouren mit bis zu 8 Seillängen. Es gibt einige leichtere, bei denen die Längen im 5-ten französischen Grad liegen, aber auch ein paar schwierigere im 6-ten und 7-ten französischem Grad.
Wir sind hier eine klassiche exponierte Tour gegangen (ich zum Glück nur im Nachstieg), die einiges zu bieten hatte. Die Schlüsselstelle war ein Zangensinter, ohne wirkliche Tritte, die ich mich eher hochgequält als -geklettert habe. Oben angekommen hatte man eine super Aussicht übers ganz Tal.
4 heures hat seinen Namen daher, dass der Fels den Bauern früher die Uhrzeit angezeigt hat. Wenn der Schatten auf den Fels zeigt, war es ca. 4 Uhr mittags. Diese Wand ist gut für Anfänger geeignet. Es gibt sowohl steile Wände mit Leisten, Löchern und Rissen, aber auch flache Platten um Reibungskletterei zu trainieren. Ausserdem gibt es mehrere Mehrseillängen mit 2 bis 3 Längen, in denen Standplatzbau, Seiltechnik und Abseilen geübt werden kann.
Neben den vorgestellten Gebieten gibt es noch folgende weitere: Le Puy, Cascade, Belleric, Ascles, Adrech und Blaches. Diese Gebiete sind genauso sehens- und kletternswert, wie die drei vorgestellten.
Absicherung
Die Absicherung ist in allen Gebieten gut bis sehr gut mit Klebehaken gesichert. Gerade im unteren Wandteil sind die Sicherungen nah beieinander, damit ein Sturz zum Boden vermieden wird. Natürlich gibt es auch ein paar klassische Touren, wo die Absicherung zum Teil auch nicht modernisiert wurde. Dort findet man auch noch Normalhaken vor und die Hakenabstände fallen weiter aus.
Ausrüstung
- 12-15 Expressen
- Einfachseil von mindestens 70 Meter Länge
- Helm (Steinschlag ist selten, kann aber gerade in den hohen Wänden vorkommen)
Den Kletterführer kann man vor Ort im Kletterladen “Vertige Sport” besorgen. Der Laden ist am Morgen und am Nachmittag geöffnet. Meiner hat 20€ gekostet. Im Laden kann man sich die neu eingerichteten Routen direkt in den eigenen Führer abpausen.
Fazit
Mein Urlaub in Orpierre ist schon eine ganze Weile her. Ich war dort im Herbst 2008. Da war es genau richtig von der Temperatur. Nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt. Die Reise lohnt sich auf jeden Fall. Noch heute schwärme ich von den Routen und der Schönheit von Orpierre. Das Gebiet ist so weitläufig, dass man auch nur selten auf überfüllte Felsen trifft.
Weitere Bilder aus dem Kletterurlaub in Orpierre
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