Unsere erste grosse alpine Tour – Geiselstein

Das Geiselstein Xtreme Team

Am letzten Wochenende haben wir den Geiselstein in den Ammergauer Alpen bestiegen. In zwei Teams sind wir den “Neuen Weg” sowie den “Alten Weg” geklettert. Der Geiselstein hat es uns nicht ganz leicht gemacht.

Samstag

Am Samstag sind wir sehr früh aufgestanden um einen frühen Bus zu erwischen, der uns in das Naturschutzgebiet in den Ammergauer Alpen fährt. Nachdem wir das Auto geparkt hatten, hatten wir schon den ersten Bus verpasst und mussten auf den nächsten warten. Leider fahren die Busse nur stündlich, sodass wir schon eine kleine Verspätung hatten.

Zustieg

Nach der Busfahrt haben wir ihn dann das erste mal gesehen, den Geiselstein mit seinen 1884 Metern. Die steile Nordwand mit einer Wandhöhe von 400 Metern haben wir uns vorgenommen. Also die Rucksäcke aufgesetzt und über die Kuhweide nach rechts auf den Zustiegsweg. Der Aufstieg lief dann auch nicht so wie geplant. Als wir unterhalb der Nordwand waren, haben wir den kleinen, ca. 20-30 cm breiten Weg verpasst und sind weiter Richtung Ostwand gelaufen. Dort angekommen haben wir dann Becheid bekommen, wo ungefähr der Zustieg zur Nordwand zu finden ist.

Die ersten Seillängen

Jetzt standen wir endlich am Fuss der Wand. Nach einer kurzen Verschnaufpause wollten wir jetzt endlich in die Tour einsteigen. Jede Seilschaft hat also Gurte angelegt und einen Rucksack für den Nachsteiger gepackt. Dann stellte sich nur noch die Frage, wo genau sich der Einstieg befindet. Nach ein bisschen rätseln und anklettern haben wir ihn dann gefunden.

Wo gehts weiter?

Die Frage, wo es weitergeht haben wir uns öfters gestellt. Aber nach der zweiten Seillänge haben wir wirklich lange gebraucht, bis wir entdeckt haben, wo die Querung nach links losgeht. Ab da ging das Abenteuer dann so richtig los. Zunächst musste man ca. 6 Meter vom letzten Haken queren. Es war vielleicht nur eine 4-er Querung oder so, aber schon ziemlich ausgesetzt. Auf der anderen Seite angekommen musste ich eine ziemlich bröckelige Tour weiterklettern. Sie war ziemlich einfach, hatte aber ich glaube nur noch einen weiteren Haken auf 25 Meter Länge. Ab hier ging es dann noch 2-3 Seillängen in dieser Art weiter. Lange Vorstiege fast ganz ohne Zwischensicherung. Selbst legen konnte man auch nur selten etwas. Keine Sanduhren, keine geeigneten Spalten für Friends oder Keile und dazu das bröckelige Gestein. Das grösste Problem dabei war, dass wir die Tour noch nicht kannten und somit die Standplätze suchen mussten. Wenn keine Zwischensicherungen dich dort hinführen ist das zum Teil gar nicht so einfach.

Ab 5 mehr Sicherungen

Nach diesen einfachen fast ungesicherten Längen ging es dann etwas schwerer weiter, dafür gab es aber auch endlich mal wieder ein paar Bohrhaken, in die man Zwischensicherungen hängen konnte. Ab und zu konnte man zusätzlich auch Bandschlingen um Felsköpfe, oder einen Keil legen. Da hat man sich trotz der etwas höheren Schwierigkeit viel sicherer gefühlt.

Es wird eng

Durch die vertrödelte Zeit beim Bus, dem Zustieg und dem Routen suchen, wurde jetzt langsam die Zeit knapp. Deswegen beschlossen wir noch mehr Gas zu geben. Das Stand bauen, Ausrüstung übergeben und der Rucksacktausch lief irgendwann wie am Schnürchen und wir kamen schnell voran. Aber dann passierte es doch. Ich habe gerade zwei Leute nachgesichert, die für den vierten das Seil mit hochgebracht haben, da verklemmte sich das Seil für den vierten Mann mitten in der Route. In dem Kamin steckte ein Felsbrocken, der einen kleine Spalte am Rand hatte und genau da hatte sich das Seil reingezogen. Also habe ich mich wieder abgelassen und das Seil befreit. Der Nachsteiger war unten schon ganz ungeduldig, weil das Seil nicht eingezogen wurde und wir uns nicht mehr mündlich verständigen konnten. Zum Glück hatten wir Handyempfang und konnten uns damit verständigen.

Die Dämmerung setzt ein

Nach der 13. Seillänge begann es zu dämmern. Vor uns lag noch eine 5, zwei 4-er und eine 1. Nachdem wir die 5 auch noch geklettert waren, haben wir den Einstieg in die 4-er Routen nicht hundert prozentig bestimmen können. Es war schon dunkel geworden. Was tun? Ein bisschen machte sich die Panik breit. Was machen wir jetzt nur?

Folgende Möglichkeiten haben wir uns überlegt

  1. Wir klettern mit Stirnlampen weiter
  2. Wir seilen uns über die Route ab
  3. Wir übernachten auf dem Berg
  4. Wir rufen die Bergwacht

Nach einigem hin und her haben wir uns für das Übernachten entschieden. Weiterklettern war uns ein bisschen zu gefährlich, da man von unten nicht genau gesehen hat, wo es weitergeht. Abseilen ging nicht, weil die Gefahr, dass das Seil hängen bleibt relativ hoch war. Ausserdem hätte man auch leicht Steinschlag beim Abziehen verursachen können. Die Stände beim Abseilen immer zu erwischen, wäre auch nicht ohne weiteres gegangen. Die Bergwacht wäre sicher ein teurer Spass geworden. Die hatten wir relativ schnell wieder aus dem Kopf. Da das Wetter stabil vorrausgesagt war, entschieden wir uns also fürs übernachten.

Die Nacht

Selten haben wir so unbequem und kurz geschlafen wie in dieser Nacht. Wir hatten keine Schlafsäcke, keine Biwaksäcke, keine Isomatten, oder sonst irgendetwas, dass einem die Nacht ein wenig gemütlicher gemacht hätte. Ausserdem war das klitzekleine Plateau nicht einmal 4 qm gross. Zu viert war das ziemlich kuschelig.

Zum Glück hatte ich wenigstens eine Rettungsdecke dabei, unter der wir es uns so gemütlich wie möglich gemacht hatten. Ohne die wäre es noch viel kälter geworden.

Als die Sonne endlich wieder aufging machten wir uns dann auch schon wieder auf unser kleines Lager abzubauen.

Sonntag

Am Sonntag ging es dann relativ schnell. Nachdem wir unseren Schlafplatz abgebaut haben und uns zum Einstieg der letzten Seillängen abgeseilt haben, mussten wir nur noch 2 bzw. 3 Seillängen klettern. Patrick war der einzige, der sich nach der kurzen Nacht den Vorstieg der  6 zugetraut hatte. Man hätte anstatt der geradlinigen 6 auch 2 4-er Routen klettern können. Da die 6 aber besser abgesichert war, ist er dort eingestiegen. Das war eine der schönsten Seillängen der gesamten Tour.

Oben war dann nur noch eine 2 oder 3 zu bewältigen und wir befanden uns endlich auf dem Gipfel. Der Ausblick hat dann einiges wieder gut gemacht. Wir hatten relativ gute Sicht und waren am höchsten Punkt der Umgebung. Super.

Runter sind wir dann über den Normalweg. Der hat es auch ganz schön in sich. Gut, dass man über die ersten ungefähr 150 Meter abseilen kann.

Als wir im Tal angekommen waren, waren wir alle fix und fertig, aber golücklich, dass nichts passiert ist und es allen gut ging.

Fakten

  • Alter Weg 5-
  • Neuer Weg 6-
  • 17 Seillängen
  • Wandhöhe 400 Meter
  • Höhe 1884 Meter ü. NN
  • Absicherung klassisch (ab dem 5. Grad gut)
  • Helm auf keinen Fall vergessen. Die leichten Längen haben viel losses Gestein.

Fazit

Wir haben aus diesem Abenteuer gelernt, dass man nie wieder ohne Biwaksack in eine alpine Tour einsteigen wird. Ausserdem muss man die Tour noch akribischer planen, als wir es ohnehin schon getan haben.

Die Nordwand des Geiselsteins ist eine super Tour, die man jedem empfehlen kann. Vorraussetzungen sind Kletterkönnen im 6ten Grad, eine gute Ausdauer und gute Nerven wegen der zum Teil sehr weiten Hakenabstände.

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RSSKommentare (6)

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  1. Marc sagt:

    War das wirklich eure erste alpine Tour? Mit siebzehn Seillängen? oO Vielleicht ein bisschen viel für den Anfang?

    Interesssanter Bericht jedenfalls. Ich bin mir sicher, dass sich die einbrechende Dunkelheit und die Nacht am Berg für euch noch dramatischer dargestellt haben, als sie im Text herüberkommen.

    Was mich interessieren würde: Wieso seid ihr eigentlich zunächst mit dem Auto gefahren und dann auf den Bus umgestiegen? Fährt der ins Naturschutzgebiet oder auf sonst verbotene Straßen?

    Und wie schlimm war der Abstieg vom Gipfel? Sind da auch ungesicherte Abkletterpassagen drin? Im “Ammergau” (Panico-Führer) liest sich das nicht so erfreulich, so dass ich den Geiselstein für mich erst einmal unter “zu gefährlich, machen wir später” abgelegt habe. :)

    Schöne Grüße
    Marc

  2. Chris sagt:

    Hi Marc.

    Ich habe schon mal den Plankenstein mit 8 Seillängen besteigen wollen, dann aber nach der 5ten einen Meniskusriss erlitten. Die Tour zählt also nicht.

    Die Nacht? Anfangs hatten wir ein bisschen Panik, aber das Übernachten war schon ok. Sehr unbequem und wenig Schlaf. Aber letztlich war das die Beste Option.

    Der Geiselstein ist schon eine Herausforderung. Wenn wir nicht so viel Zeit verloren hätten, durch Verlaufen, Einstieg finden und Seil verklemmen, wäre das gut machbar gewesen.

    Der Anbstieg ist ganz ok. Den sehr steilen Anfang kann man abseilen. Das ist auch sehr zu empfehlen. Alle 30 Meter ist ein Abseilpunkt. Ich glaube es waren 5. Danach gehts dann links einen schmalen Weg entlang der Wand. Rechts gehts schon gut runter, aber immer wenn es sehr ausgesetzt ist kann man sich am Fels festhalten.

    Warum Bus? In das Naturschutzgebiet darf man nicht mit dem Auto reinfahren. Da gibt es dann so kleine Busse, die alle Stunde fahren. Preis pro Fahrt war 3,50€. Alternativ kann man radeln oder 10km wandern.

    Wenn du eine 6 am Fels sicher kletterst und auch nicht zu grosse Probleme mit weiten Hakenabständen hast, dann kann ich dir die Tour empfehlen. Nimm den ersten Bus um 7 Uhr. Dort wo der Zustieg zur Nordwand ist liegen zwei Baumstämme 90 Grad zum Weg. Die waren befestigt worden, liegen also sicher noch eine Weile. Bei uns war die Vegetation so stark, dass man den ca. 30 cm breiten Weg nicht gesehen hat.

    Grüsse
    Chris

  3. Jo sagt:

    Naja, wurde ja schon gesagt, aber eine 17 SL Tour als alpiner Anfänger zu machen ist, bei Licht betrachtet, schon ziemlich fahrlässig. Und bei solcher Länge, wie du ja auch erkannt hast, keinen Biwaksack mitzunehmen, ebenso :) Ich glaube übrigens, dass eine Bergwachtrettung vom Alpenverein getragen wird, zumindest im Falle von Verletzungen oder ähnlichem. Wie das bei fahrlässigem Verhalten, wozu man eure Unternehmung ja wirklich rechnen kann, aussieht, weiß ich nicht genau, aber das wäre mal interessant – oder vielleicht auch nicht, sonst nimmt bald jeder den Heli als Abtiegshilfe :D

  4. Chris sagt:

    Hallo Jo.

    Vielleicht habe ich mich nicht ganz klar ausgedrückt.
    Wir haben bisher noch keine so lange Tour gemacht. Erfahrungen in Mehrseillängen haben wir aber alle.
    Wegen der Rettung. Ich glaube auch, dass das nur dann übernommen wird, wenn man sich in einer Notsituation befindet.
    Über das Wetter hatten wir uns vorher auch informiert. Wir hatten ein gutes Zeitfenster für zwei Tage vorausgesagt bekommen.

    Aber es gibt eben doch noch mehr zu beachten. Die Uhrzeit haben wir zu lange ausser Acht gelassen.

    Das passiert uns nicht noch einmal so.

    Grüsse
    Chris.

  5. Jo sagt:

    :) Achso, dann war ich durch die Überschrift “Unsere erste alpine Tour” in die Irre geleitet. Zwecks Heli-Rettung hättet ihr ja schnell jemanden verletzen können :D

  6. mouuu sagt:

    Im unteren Teil laufen der alte und der neue Weg größtenteils nebeneinander. Dadurch, dass ab dem Grasband nur noch in der alten Route weiter geklettert werden kann, ergaben sich für uns automatisch längere Wartezeiten.
    Dort ist der Fels auch sehr brüchig, so dass die Unteren gut auf Steinschlag achten müssen.
    In dem Bereich, in dem man parallel klettern kann, ist das Hightlight im neuen Weg eine Seillänge der Schwierigkeit 6 mit genau 2 Zwischensicherungen auf 45 Meter. Die Tatsache, dass ich mich verstieg und die erste der Zwischensicherungen nicht klippen konnte, machte diesen Abschnitt zu einem ganz schönen Nervenkitzel.
    Um vom neuen Weg zum alten zu gelangen, muss man einen schmalen, jedoch tiefen Felsspalt überqueren. Das ist natürlich nicht schwer, wegen der luftigen Höhe jedoch sehr spannend……. ;)

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